Eine absolute Ikone unter den Nobeluhren ist die berühmte Nautilus von Patek Philippe.
Seit ihrem Debüt im Jahr 1976 genießt die Nautilus einen besonderen Status bei Liebhabern hochwertiger Zeitmesser und passionierten Sammlern. Entworfen wurde diese exklusive Armbanduhr von Gérald Genta, einer der einflussreichsten Gestalter seiner Epoche, der auch für mehrere renommierte Mitbewerber arbeitete und international hohes Ansehen im Uhrendesign genoss. Mit der ersten Ausführung, der Referenz 3700, wurde der Startschuss für eine außergewöhnlich erfolgreiche Modellfamilie gegeben, die den damaligen Uhrenmarkt nachhaltig prägte.

Ein Blick zurück
Um die Bedeutung der Nautilus richtig einzuordnen, lohnt sich ein Rückblick auf die Situation des Uhrenmarktes rund zwei Jahrzehnte vor ihrer Einführung. Diese Phase war von großer Innovationskraft geprägt: Viele der heute legendären Modelle wie Submariner, Daytona oder Speedmaster entstanden in dieser Zeit. Die technische Entwicklung machte enorme Fortschritte – Uhren wurden robuster, genauer, zuverlässiger und zunehmend besser gegen Wasser geschützt.
Auch die 1960er-Jahre spielten eine entscheidende Rolle. In dieser Dekade begann sich der Markt klar zu differenzieren: Auf der einen Seite standen hochpreisige, elegante und sportliche Luxusuhren, häufig aus Gold, schlank gebaut und mit anspruchsvollen Komplikationen versehen. Auf der anderen Seite etablierten sich erschwinglichere Varianten aus Stahl, die oft als eine Art „Luxus für jedermann“ galten.
Ein Blick auf die damaligen Modelle zeigt, dass ihre Gestaltung meist funktional geprägt war. Taucheruhren, Fliegeruhren oder Chronographen erfüllten klar definierte Zwecke. Der Statusaspekt spielte zunächst eine untergeordnete Rolle – ein Umstand, der sich jedoch bald grundlegend verändern sollte.
Seikos Vorstoß und seine Folgen
Im Jahr 1969 sorgte Seiko für einen tiefgreifenden Umbruch in der Branche. Mit der „Astron“ stellte das Unternehmen die erste Armbanduhr mit Quarzwerk vor und löste damit eine regelrechte Zeitenwende aus. Mechanische Werke gerieten zunehmend unter Druck, da Quarzuhren nicht nur preiswerter, sondern auch präziser waren. Viele Kunden wandten sich daher dieser neuen Technologie zu.
Angesichts dieser Entwicklung mussten traditionelle Hersteller neue Wege finden, um ihre Produkte weiterhin im Hochpreissegment zu positionieren. Die Antwort war eine stärkere Fokussierung auf Exklusivität, Design und Markenimage. Hochwertige Luxusuhren entstanden, deren aufwendige Fertigung und gezielte Vermarktung die anspruchsvollen Preise rechtfertigen sollten.
Ein entscheidender Meilenstein war die Einführung der Royal Oak durch Audemars Piguet im Jahr 1972 – nur drei Jahre nach der Präsentation der Seiko Astron. Diese Uhr definierte Luxus neu: Trotz Edelstahlgehäuse bewegte sich ihr Preisniveau auf dem einer flachen Golduhr. Ursache dafür war unter anderem ihre massive Bauweise und außergewöhnliche Robustheit. Patek Philippe ließ nicht lange auf sich warten und präsentierte 1976 auf der Baselworld schließlich die Nautilus – eine direkte Antwort auf den neu entstandenen Markt für sportliche Luxusuhren aus Stahl.
Daher stammt das typische Bullauge der Nautilus

Der gestalterische Ursprung der Uhr geht auf einen Moment zurück, den Gérald Genta während eines Restaurantbesuchs im Rahmen der Basler Uhrenmesse erlebte. Dort fiel sein Blick auf ein Bullauge, dessen Form ihn spontan inspirierte. In kürzester Zeit brachte er seine Idee zu Papier und entwarf eine erste Skizze der Uhr – ein entscheidender Augenblick, in dem der Grundstein für die spätere Nautilus gelegt wurde, zunächst noch als Konzeptzeichnung für Patek Philippe.
Für das traditionsreiche Haus stellte dieser Entwurf einen deutlichen Bruch mit bisherigen Konventionen dar. Patek Philippe war bis dahin vor allem für klassische Zeitmesser aus Edelmetallen wie Gold oder Platin bekannt und verfolgte einen eher zurückhaltenden, konservativen Stil. Die Entwicklung einer sportlichen Armbanduhr aus Edelstahl war daher ein Wagnis – eines, das sich letztlich als voller Erfolg erwies.
Auch der Name der Uhr wurde mit Bedacht gewählt: „Nautilus“ ist eine Anspielung auf Jules Vernes Roman 20.000 Meilen unter dem Meer, in dem das gleichnamige Unterseeboot eine zentrale Rolle spielt und den maritimen Charakter des Designs unterstreicht.
Die erste Nautilus: Referenz 3700/1
Mit ihrer Konstruktion und äußeren Erscheinung hob sich die Nautilus klar von nahezu allen zeitgenössischen Armbanduhren ab. Zwar erinnerte die Form in gewisser Weise an die Royal Oak von Audemars Piguet, die ebenfalls ein achteckiges Design aufwies, doch die Nautilus setzte eigene Akzente. Charakteristisch waren vor allem die seitlichen Auskragungen des Gehäuses, die an ein Bullauge erinnerten und dem Modell eine unverwechselbare Silhouette verliehen. Zudem fiel das Achteck insgesamt deutlich zurückhaltender aus als beim Pendant aus Le Brassus.
Das Gehäuse war komplex aufgebaut und technisch anspruchsvoll. Patek Philippe ließ sich dieses Konstruktionsprinzip durch mehrere Patente schützen. Es bestand aus einem zentralen Gehäuseteil mit integriertem Boden, an dem die Lünette samt Saphirglas seitlich mit vier Schrauben fixiert wurde. Diese Bauweise ermöglichte den Einsatz vergleichsweise breiter Dichtungen, was – ganz im Sinne des maritimen Konzepts und der Namensgebung – eine hohe Wasserdichtigkeit sicherstellte.
Ein weiteres prägendes Merkmal war das Zifferblatt: Die horizontal verlaufenden Streifen zogen sich über die gesamte Fläche und wurden zu einem der markantesten Erkennungszeichen der Nautilus, das bis heute alle Varianten der Modellreihe prägt.
Drei Jahrzehnte später: Referenz 5711
Mit der Wiedereinführung im Jahr 2006 wuchs die Nautilus erneut leicht in ihren Abmessungen. Das Gehäuse legte gegenüber den bereits großzügigen 42 Millimetern des Modells von 1976 nochmals um einen Millimeter zu und erreichte nun 43 Millimeter. Damit fiel die Uhr nicht nur breiter aus, sondern gewann auch etwas an Höhe.
Parallel dazu änderte Patek Philippe die konstruktive Ausführung des Gehäuses. Während das Original noch eine besonders reduzierte, geschlossene Bauweise aufwies, setzt die Referenz 5711 auf einen dreiteiligen Aufbau: Mittelgehäuse, Lünette und Gehäuseboden sind nun voneinander getrennte Elemente. Puristen sehen darin zwar einen Abschied von der kompromisslosen Klarheit des Urmodells, doch der große Erfolg der 5711 zeigt, dass Patek Philippe mit dieser Weiterentwicklung den Geschmack vieler Uhrenliebhaber traf.


Auch im Inneren gab es technische Neuerungen. Das Werk wurde modernisiert und verfügt nun über einen zentralen Sekundenzeiger. Diese Ergänzung erklärt zugleich die leicht gestiegene Bauhöhe, die unter anderem auf die veränderte Lünette zurückzuführen ist.
Lichtspiel und Farbwirkung
Mit der Überarbeitung im Jahr 2006 führte Patek Philippe ein neu gestaltetes Zifferblatt ein. Zwar blieb das für die Nautilus typische horizontale Rillenmuster erhalten, doch unterschied sich die optische Wirkung deutlich vom Original der Referenz 3700/1 aus dem Jahr 1976. Während das frühe Modell überwiegend in einem konstanten Blauton erschien, zeigt die neuere Ausführung je nach Lichteinfall wechselnde Farbnuancen, die zwischen Blau und Grün variieren.
Darüber hinaus nahm Patek Philippe Anpassungen an den Beschriftungen vor. Die Schriftzüge „Patek Philippe“ und „Genève“ wurden nicht nur typografisch überarbeitet, sondern auch weiter in Richtung der Zwölf-Uhr-Position verschoben, was dem Zifferblatt eine veränderte Balance verleiht.
Das Uhrwerk der Nautilus
In den frühen Modellen kam zunächst das automatische Kaliber 28-255 C zum Einsatz. Dieses basierte auf dem renommierten Kaliber 920 von Jaeger-LeCoultre und zeichnete sich durch seine außergewöhnlich flache Konstruktion aus. Mit einer Höhe von lediglich 3,05 Millimetern gehörte es zu den schlanksten Automatikwerken seiner Zeit. Ein Sekundenzeiger war allerdings nicht vorhanden. Auffällig war zudem die technische Lösung des Rotors: Statt eines Kugellagers bewegte er sich auf speziell geführten Schienen.

Mit der Einführung der Referenz 5711/1A im Jahr 2006 wechselte Patek Philippe auf das hauseigene Kaliber 324 S C. Auch dieses Werk ist automatisch, wurde vollständig intern entwickelt und gefertigt, fällt jedoch etwas höher aus als sein Vorgänger. Im Gegenzug ermöglicht es nun einen transparenten Gehäuseboden aus Saphirglas, der den Blick auf das fein veredelte Uhrwerk freigibt.
